Tagebau


Heute bleiben wir in der Nähe. Rottleberode - der Ort, in dem wir unsere Unterkunft haben - kann zwei Dinge: Holz und Gips. Wir wollen uns auf unserer heutigen Wanderung einen der aktiven Tagebaue anschauen. Die Route ist mit etwa 10 km etwas kürzer als gestern, aber unseren Beinen wird das gut tun. Wir starten bei der “Heimkehle”, einer Schauhöhle. Führungen werden in der Saison alle zwei Stunden angeboten. Heute haben wir Pech: Die einzige Führung findet für eine Schulklasse statt. Da verzichten wir. Sekundarstufe 2, viel Lärm. Nein danke. Der heutige Stempel liegt oberhalb der Höhle auf einem Kamm, den wir erklimmen. Von dort geht es durch den Wald weiter zum Tagebau.

Der Kamm gehört bereits zum Bisphärenreservat der Karstlandschaft hier im Südharz. Direkt neben der Stempelstelle liegt die Resbergdoline, ein Karsttrichter, der wie ein großes Loch in das unterirdische Höhlensystem führt. In der Region sind diese geologischen Besonderheiten einzigartig: Das Gestein ist teilweise gipshaltig und kann vergleichsweise schnell ausgewaschen werden. Dadurch entstehen Trichter im Boden, aber auch unterirdische Höhlensysteme und sogar Schluchten. In der Nähe von Rottleberode wird Gips in einem Tagebau direkt gefördert. Wir kommen diese riesige Kuhle, ein weißes Loch im Wald, eine kleine Geröllwüste. Große weiße Steine liegen am Rand. Es geht steil hinunter. In der Ferne sehen wir gelbe Fahrzeuge, die Steine nach Rottleberode fahren. Bergbau gehörte schon immer zum Ort. Es geht zurück durch den Wald und an einer Ruine vorbei. Ein Torbogen und Überreste eines Hauses stehen noch. Wahrscheinlich war es ein Kloster, das vor dem 16. Jahrhundert bereits verlassen wurde. Es ist kaum etwas überliefert, nur die Steine stehen noch aufeinander als Zeitzeugen der früheren Bewohner. Was wird von uns in 500 Jahren noch stehen, noch überliefert sein?

Auf der gesamten Strecke sind wir allein. Wir bleiben zwischendurch an einem Brombeerbusch stehen und naschen. Hör mal: Absolute Stille. Vielleicht hier und da ein Vogel. Ansonsten nur Ruhe. So fühlt sich für uns Erholung an! Das letzte Stück des Weges führt uns direkt an Rottleberode vorbei. Sonnenblumenfelder, ein Feldweg gesäumt von Obstbäumen mit reifen Pflaumen, danach das Gipswerk mit eigenem Umschlagbahnhof. Es ist auch schön, die direkte Umgebung zu erkunden. Der Südharz hat direkt vor unserer Tür Wälder und Schluchten und Höhlen. Wir werden die nächsten Tage hier genießen.