Höhle


Es ist kurz vor 10 Uhr am Morgen und wir sind wieder bei der Höhle “Heimkehle” hier in Rottleberode. Gestern war eine Schulklasse zur Führung hier und wir sind lieber in Ruhe gewandert. Doch heute haben wir Glück: Die Führung findet zu viert statt! Basti, der Höhlenführer ist sichtlich begeistert, dass er es nicht noch einmal mit Schulkindern zu tun hat und nimmt uns mit auf eine tolle Reise unter den Berg. Die Höhle gehört schon immer mit zum Ort. Sie wurde von den Einheimischen in schwierigen Zeiten als Versteck oder als Lager genutzt. Bei 8 Grad Celsius und über 90% Luftfeuchtigkeit können wir uns kaum vorstellen, dass hier Menschen manchmal ein oder zwei Wochen am Stück gelebt haben. Und es ist dunkel. Es gibt zwar eine moderne Lichtanlage, aber Basti nimmt uns auf der Reise durch die Vergangenheit auch mit in absolute Finsternis. Wir hören Wasser tropfen, eine Fledermaus flattert über unseren Köpfen. Ansonsten Stille und Schwärze. Seit über 100 Jahren wird die Höhle touristisch genutzt. Sie ist die größte Gipshöhle in Deutschland und den ständigen Bewegungen des Gesteins unterworfen. Regelmäßig fallen Steine von der Höhlendecke, teilweise richtig große. Basti erzählt uns von den Sicherheitsvorkehrungen und der Gefahr, dass die Höhle eines Tages nicht mehr begehbar sein könnte. Sein wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die russischen Streitkräfte versucht, die Höhle zu sprengen. Die Nazis hatten sie als Rüstungsfabrik genutzt, da sie sehr geschützt im Berg verborgen liegt. Häftlinge des KZ Buchenwald mussten hier unter härtesten Bedingungen arbeiten. Die Sprengung misslang, lediglich der Eingang wurde verschüttet. Heute wird die Höhle von den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Thüringen betrieben und auch für Forschungszwecke genutzt. Es gibt 15 Fledermausarten und Höhlentaucher kommen her für Expeditionen in das verzweigte, unterirdische Wassersystem. Für die Opfer der Zeit des Nationalsozialismus ist ein großes Mahnmal in der Höhle eingerichtet worden.

Eine Stunde dauert die Führung und wir sind begeistert. Die “Heimkehle” ist definitiv einen Besuch wert!

Anschließend fahren wir nach Questenberg und wandern. Hier ist der Karst deutlich sichtbar, bewachsen mit Heide, Kiefern und Birken. Die gesamte Region Südharz ist Karstlandschaft, große Teile sind Naturschutzgebiete. Trotz des Tourismus ist die Gegend wirtschaftlich schwach. Projekte wie die “Heimkehle” locken jedes Jahr Touristen an, doch es gibt zu wenige von ihnen. Was bleibt in Rottleberode, wenn die Höhle wirklich einstürzen sollte? Es wird über die Zukunft diskutiert, Gipstagebau gegen Naturschutz und Natur-Tourismus abgewogen. Wie sollte sich die Region aufstellen?

Auch Questenberg hat viel Leerstand. An der Hauptstraße sind mehrere alte Häuser zu verkaufen. Hier müsste viel gemacht werden, aber dann könnte das Örtchen so schön werden wie Stolberg.

Unser heutiger Eindruck verstärkt das Bild der letzten Tage: Eine Region mit toller Landschaft und viel Potenzial.