Talsperre und Ruine
Heute ist es windig, aber warm. Wir fahren über die Landesgrenze nach Thüringen und besichtigen die älteste Talsperre im Harz bei Neustadt. Unsere Wanderroute hat uns bei der Anfahrt bereits im Stich gelassen: Der gekennzeichnete Startpunkt liegt mitten in einem nur für Forstwirtschaft freigegebenen Gebiet. Wir parken außerhalb und gehen die zusätzlichen 3 km. Die Wege sind breit und gut gangbar, kein Problem für unsere geübten Beine.
Die Talsperre liegt oberhalb einer Schlucht und sperrt diese auf der gesamten Breite von 134 Metern. Sie ist für uns durch den dichten Bewuchs erst spät sichtbar. Zuerst hören wir die Kletterer die vermutlich die Mauer prüfen oder kleine Ausbesserungen vornehmen. Um 1904 wurde die Sperre fertiggestellt und sichert seitdem die Trinkwasserversorgung für das nahegelegene Nordhausen und Teile des Umlandes. Zusätzlich wird durch die 180 Höhenmeter in einem Wasserkraftwerk Strom erzeugt, der für die Straßenbahn und die Straßenbeleuchtung verwendet wird. Die Mauer und der Stausee sind eingezäunt und dürfen nicht betreten werden. Dafür gibt es aber einen Stempel, den wir uns direkt abholen. Den Stausee kann man umrunden, wovon wir heute absehen, da wir noch zur nahegelegenen Burg Hohnstein gehen wollen.
Der Parkplatz in Neustadt am Fuße der Burg ist nur 10 Autominuten entfernt. Es geht steil bergan, über uns thront die Ruine. Sie ist im 12. Jahrhundert erbaut und bereits im 17. Jahrhundert durch einen Brand zerstört worden. Für Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Entstehung des Gasthauses überliefert, das heute noch an der Ruine steht und Gäste bewirtet. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten ist die Ruine seit 2001 offiziell begehbar - und Teil des Wandernetzwerks im Südharz mit eigenem Stempel. Wir erkunden die erstaunlich gut erhaltene Burg und bewundern den Ausblick vom höchsten Turm, der über eine gesicherte Metallleiter begehbar ist. Auch Brandspuren können wir in einer Nische entdecken. In einem Wehrturm ist ein Glasboden über einem Verließ mit einem Skelett zu sehen. Alles ist mit Tafeln ausgesattet, die Informationen zur reichhaltigen Geschichte im Mittelalter und den Kriegen der lokalen Fürsten bieten.
Inzwischen ist es Nachmittag geworden und wir sind sehr hungrig. In Neustadt suchen wir uns ein kleines Restaurant in einem Hotel, bevor es wieder in unsere Unterkunft in Rottleberode geht. Morgen ist der letzte volle Tag hier im Südharz und wir werden das schöne Halle besuchen. Dort sehen wir Freunde und sind auf einem Konzert. Dafür wollen wir uns den Rest des Tages ausruhen und alle Kräfte sammeln.