Die Weiße Wüste


“Und was habt ihr heute so gemacht?”

“Wir waren in einem Tagebau an der saudi-arabischen Grenze.”

Genau das ist heute passiert, aber zum Glück war unser Trip an dieser Stelle noch nicht vorbei.

Zur Zeit nächtigen wir in Jerash und da wir gestern viel gelaufen sind, wollten wir heute einen schönen Roadtrip machen. Da wir am Flughafen für 0€ Aufpreis einen halbwegs geländetauglichen Wagen bekommen haben, haben wir uns die Wadi Dahek - die weiße Wüste als Ziel herausgesucht. Berichte gibt es kaum zu dieser faszinierenden Wüstenlandschaft. Sie befindet sich ca. 4km der saudi-arabischen Grenzen inmitten einer riesigen Gesteinsödnis und war einst ein Meer.

Wir fuhren etwas über zwei Stunden quer durch Jordanien, was außerhalb der Städte ausgesprochen angenehm war, innerhalb der Städte eher so…Freestyle. Man sollte auf jeden Fall nicht zu ängstlich sein und gefühlt für alle anderen mitdenken, denn an Fahrspuren, Vorfahrtsregeln etc. wird sich eher nicht gehalten und den Blinker benutzen die Wenigsten.

Als wir dann endlich das saudi-arabische Grenzgebiet erreicht hatten, sahen wir nichts außer einem Schild, das uns mitten ins Nichts führte. Wadi Dahek 7 km - aha. Wir verließen die Straße und fuhren auf einem Geröllweg. Es gab ja auch nur diesen einen, dachten wir. Bis uns dann einige LKWs entgegen kamen und unser überfordertes Navigationssystem uns direkt in einen Tagebau führte. Wir waren umringt von riesigen Schutt- und Sandbergen, unser Weg eine sandige Rutschpiste und nirgends war die Wadi Dahek zu sehen. Wir drehten also mühevoll um und für einen kurzen Moment dachte ich schon, das war’s jetzt.

Doch dann kam hinter uns ein staubiger Pick Up angerauscht, samt zwei traditionell arabisch gekleideten Herrschaften mit ihren Kaftans und Kopfbedeckung und zwei ziemlich aufgeregten Jungs. Sie überholten und winkten uns (wie so viele) und wir in unserer Verzweiflung hielten sie sofort an. Zum Glück hatte ich mit meinem Handy ein Foto von dem einzigen Wadi Dahek Schild um ihnen verständlich zu machen, wo wir denn nun hin wollten und tatsächlich…sie halfen uns! Wir sollten ihnen einfach hinterher fahren und das taten wir - unser Glück kaum fassend - dann auch. Sie führten uns aus dem Tagebau-Labyrinth heraus und schon 10 Minuten später waren wir endlich auf der richtigen Piste, der wir nun folgen sollten. Wir bedankten und ganz herzlich und das Einzige was sie wollten war ein Foto. Okay…da kommt man sich schon vor wie ein Affe im Zoo aber hey, die Jungs haben sich sehr gefreut und die Männer waren wirklich nett. Ich habs gern gemacht, wir hätten in dieser Einöde sonst echt alt ausgesehen und uns womöglich noch festgefahren. Und ein bisschen mulmig wird einem schon…so ganz allein im Nirgendwo.

Ein paar weitere Schweißausbrüche später (diese Piste war wirklich abenteuerlich) erreichten wir sie endlich - die Wadi Dahek. Vor uns tat sich ein riesiges Becken aus rot-weißem Gesteinsgebilden und Sand auf. Atemberaubend. Davor graste eine Herde Dromedare und wir erkundeten die Wüste zuerst von oben. Später fuhren wir dann noch ein Stück weiter, bis die Piste endgültig im Geröll verschwand und den Rest gingen wir dann zu Fuß. Wir kamen ins Becken hinunter und…ja, beschreiben kann man das Gefühl kaum, wenn man in dieser fremdartigen, wunderschönen Landschaft steht. So etwas habe ich noch nie gesehen. Wir waren vollkommen allein, man hörte nichts außer unserer Schritte, die so dumpf klangen weil es praktisch kein Echo gab.

Man kann in der Wadi Dahek sogar Haifisch-Zähne finden, denn hier gab es zu Urzeiten mal ein riesiges Meer, wir gingen zwar leer aus, aber das war gar nicht schlimm. Der Anblick entschädigt für alles. Außerdem haben wir dafür großartige lebendige Tiere gesehen: einen Schwarzrücken-Steinschmätzer, eine tolle Echse, die leider keinen deutschen Namen hat und einen Arabischen Rotfuchs!

Die Echese ist Acanthodactylus opheodurus und kommt auf der gesamten arabischen Halbinsel vor: In Isreal, Jordanien bis in den Oman und Jemen. Der Schwarzrücken-Steinschmätzer ist rin typischer Vogel der kargen Wüstenlandschaften. Er brütet in Felshöhlen und -nischen. Die Art kommt überwiegend in Isreal und Jordanien vor. Der Arabische Rotfuchs, ist eine Unterart der Rotfuchses und kommt auf der Arabischen Halbinsel vor. Er zeichnet sich durch größere Ohren, längere Gliedmaßen und eine sandfarbene Fellfarbe, häufig mit dunklem Bauch, aus.

Der Fuchs begegnete uns als wir im Abendlicht schon zurück zum Auto liefen und war eines meiner absoluten Highlights heute…ach was sag ich da, der ganze Tag war ein Highlight. Die Hilfsbereitschaft der Menschen, die atemberaubende Landschaft, die zauberhaften Tiere.

Ich liebe die Wüste.