Relikte aus vergangener Zeit
“Aus welchem Land kommt ihr?”
“Deutschland.”
“Okay, eigentlich haben wir schon geschlossen aber hier habt ihr die Schlüssel zum Wüstenschloss.”
Zu dieser absolut irren Unterhaltung komme ich später noch. Erstmal beginne ich bei den Arabischen Oryx-Antilopen, die wir heute besucht haben. 1972 wurde das letzte freilebende Exemplar der Arabischen Oryx, auch Weiße Oryx genannt, erlegt. Glücklicherweise hatten schon vorher Bemühungen zur Erhaltung der Art begonnen und so wurde aus neun übrigen Tieren ein neuer Bestand aufgebaut.
In Jordanien wurde 1975 der Shaumari Nationalpark gegründet, der sich der Wiederansiedlung und Erhaltung ehemals heimischer Arten widmet. Hier leben die etwa 100-200 Oryx des Landes, dazu Kropfgazellen, Onager (asiatische Wildesel) und Kragentrappen. Wir haben eine Safari gebucht und uns ein Teil des Nationalparks zeigen lassen. Die eleganten Antilopen haben wir zum Glück sehr häufig gesehen, denn die Tiere sind wenig scheu, im Gegensatz zu den Kropfgazellen, die wir nur von Weitem sahen und den Onagern, die sich gar nicht blicken ließen.
Es war schon erstaunlich zu sehen in was für einer lebensfeindlichen Gegend die Oryx überleben können. Aber selbst diese hochspezialisierten Tiere haben in den letzten Jahren immer mehr mit der Trockenheit zu kämpfen, nicht nur in Jordanien. Auch in Saudi-Arabien haben lange Dürreperioden schon zu erneuten Bestandseinbrüchen geführt. Ich hoffe sehr, dass das Projekt weiterhin so viel Unterstützung findet und die Art auch zukünftig erhalten werden kann.
Auf dem Rückweg wollten wir uns heute dann endlich zwei Wüstenschlösser ansehen. Die Bezeichnung Wüstenschloss ist ein Sammelbegriff für historische Bauten in der Wüste Jordaniens. Die Gebäude sehen allerdings alle sehr unterschiedlich aus und dienten auch verschiedenen Zwecken.
Das erste Schloss, Qasr al-Kharanah ist ein monumentaler Bau, der aus der Ferne wie eine Burg anmutet, aber vermutlich eines der ersten nachweislich erbauten Hotels ist. Wir hatten großes Glück, denn der Guide wollte gerade schließen als wir kamen, gab uns dann aber doch noch eine Tour und erklärte uns die vielen Räumlichkeiten des Gebäudes. Es gab Ställe für Pferde oder Kamele, Wohnbereiche mit Feuerstellen, Schlafgemächer und einen großen Innenhof. Das Gebäude stammt vmtl. aus der Zeit um 660 und ist bis heute gut erhalten und restauriert. Dankbar, dass wir noch eine so nette Tour bekommen haben, verließen wir dann Qasr al-Kharanah und machten uns dann auf den Weg zum zweiten Wüstenschloss.
Nur wenig später erreichten wir Qasr ‘Amra, das eine Art Jagdschloss mit römischen Bad ist und einen völlig anderen Baustil aufweist. Mittlerweile war es schon spät am Nachmittag und hier kommen wir nun wieder zur Unterhaltung vom Anfang. Denn als wir aus dem Auto ausstiegen - wir waren die einzigen Gäste vor Ort - fand genau dieses Gespräch statt und ja…wir haben tatsächlich die Schlüssel zu diesem Gebäude aus dem 8. Jahrhundert bekommen. Einfach so, denn wir sind ja Deutsche und offensichtlich genießen wir hier einen guten Ruf.
Wir spazierten also zum altehrwürdigen Gebäude und verschafften uns Eintritt. Das war schon ein erhabener Moment, als wir allein in den Hallen mit all den wunderschönen, zum Teil 1300 Jahre alten, Fresken standen. Wirklich ein großartiges Gebäude, das besonders im warmen Nachmittagslicht eine ganz besondere Ausstrahlung hatte. Wir waren den beiden Herrschaften sehr dankbar für ihr Vertrauen und fuhren in der Abendsonne dann zurück zu unserem Hotel.
Bisher sind wir wirklich begeistert wie gastfreundlich und hilfsbereit die Menschen hier sind. Es kommt immer mal wieder zu seltsamen Begebenheiten im Alltag aber davon erzähle ich dann mal in einem extra Beitrag, sicher wird uns hier noch die ein oder andere Kuriosität widerfahren.