Von Nord nach Süd
“Der Reiseführer sagt, dass wir das Grenzgebiet zu Syrien meiden sollten.”
Vier Stunden später an einem Grenzposten.
“Ich glaube wir sind falsch abgebogen, hier ist die Grenze nach Syrien, Israel wäre die andere Richtung gewesen…”
Heute mussten wir uns von unserem Hotel in Jerash verabschieden. Die vier Nächte dort waren wirklich schön und wir haben uns schon wie zu Hause gefühlt mit unserer kleinen Küche, der Waschmaschine, den netten Betreibern und den Hof-Katzen. Es hat richtig gut zu uns gepasst. :)
Die nächsten drei Nächte verbringen wir in der Nähe des Toten Meeres aber bevor es dorthin ging, fuhren wir nochmal ganz in den Norden, in den Ort Umm Qays. Dort befindet sich auf einem Hügel die ehemalige, römische Siedlung Gadara, von der aus man einen großartigen Blick zum See Genezareth (Israel) und auf die Golanhöhen (Isreal/Syrien) hat. Der See Genezareth ist übrigens mit 212m unter NN der tiefste Süßwassersee der Erde und der zweittiefste See der Welt, nach dem Toten Meer. Wir haben Beide an einem Tag gesehen, wirklich beeindruckend!
Die römische Siedlung ist nach dem letzten schweren Erdbeben, das 1927 große Schäden in Jordanien angerichtet hat, stark beschädigt worden. Kein Vergleich zu all den gut erhaltenen Bauten in Jerash. Dafür war der Ausblick aber besonders, denn wann kommt man Israel und Syrien so nah? Zum Glück hatten wir heute auch eine klare Sicht, sodass sich uns ein tolles Panorama im Dreiländereck bot. Das Ruinengelände bot außerdem eine Vielzahl an Tieren, allen voran Reptilien, die sich überall sonnten. Jordanien ist außerdem eine wichtige Flugroute für Zugvögel und obwohl die Hauptzugzeit schon vorüber ist, haben wir heute jede Menge Greifvögel, vor allem Schwarzmilane kreisend im Gebirge gesehen und auf dem Ruinengelände selbst kreiste für einige Minuten ein Schwarzstorch mit mehreren Greifvögeln über uns - was für eine tolle Sichtung!
Danach wollten wir uns dann noch den Yarmuk Fluss aus der Nähe ansehen, dieser Fluss fließt an der Grenze zu Jordanien und Syrien und es gab ein großes Schild, das uns zu einem Nature Reserve am Fluss führen sollte. Stattdessen passierten wir erst eine Grenzkontrolle, bei der wir uns noch keine Gedanken machten. Die zweite Kontrolle war dann aber schon weitaus schärfer…man wollte die Reisepässe und wir sollten kurz parken. Während die Grenzpatrouille sich auf arabisch scheinbar über uns unterhielt, wurde uns schon ganz mulmig und ein Blick auf die Karte verriet uns dann auch, dass wir geradewegs auf die syrische Grenze zugefahren waren, statt zur israelischen und vom Nature Reserve war auch weit und breit nichts mehr zu sehen. Wir waren heilfroh, als wir den Grenzsoldaten dann klargemacht hatten, dass wir umdrehen wollten und uns dann endlich wieder von der Grenze entfernten.
Und dann führte uns das Navi geradewegs immer an der israelischen Grenze entlang, die zum Glück aber unproblematisch ist. Fast drei Stunden wühlten wir uns durch den urbanen Norden, bis wir dann endlich das Tote Meer erreichten. Wow, das war ein grandioser Anblick, als der spiegelglatte See zwischen den roten Bergen auftauchte. Die Landschaft hatte sich wieder drastisch verändert. Das Gebirge rund ums Tote Meer ist aus rot-gelb-grünlichem Gestein und ziemlich zerklüftet, immer wieder sprengen Canyons das Massiv und kleine Flüsse fressen sich durch die Felsen.
In so einem Canyon liegt nun auch unser neues Hotel, dass uns persönlich viel zu dekadent ist aber die Lage ist atemberaubend schön und ich freue mich schon auf unseren morgigen Ruhetag. Dann werden wir die hiesigen Thermalbäder und den Pool mal testen und vielleicht noch einmal einen Abstecher ans Tote Meer machen - wir werden sehen.