Petra
“Das sieht hier alles noch heute so monumental und atemberaubend aus. Wie spektakulär muss diese Stadt vor 2.000 Jahren ausgesehen haben, als Wind und die Zeit noch nicht ihre Spuren hinterlassen hatten?”
Petra, die sagenumwobene Stadt der Nabatäer, war über Jahrhunderte vergessen und trotzdem hat sie die Zeit überdauert, bis sie 1812 wieder entdeckt wurde. Heute ist die Stätte DER touristische Ort in Jordanien, oftmals das Einzige was einem zu Jordanien überhaupt einfällt. Petra ist außerdem eines der sieben neuen Weltwunder und das absolut zurecht.
Auch wir haben heute den Weg durch die Siq (einer engen Felsschlucht) in die Stadt angetreten. Was wir dort gesehen haben, ist kaum in Worte zu fassen. Diese Dimensionen sind atemberaubend! Schon bevor man die Schlucht überhaupt betritt, sieht man in den Fels geschlagene Gebäude, es sind zahllose Höhlen, Häuser und Tempel. In der Siq selbst wurde uns dann schnell klar, warum die Nabatäer ihr Reich so lange erfolgreich verteidigen konnten. Es gibt nur diesen schmalen Weg in die Stadt, das rote Sandsteingebirge ist eine natürliche Festung! Und bis heute sind die komplex konstruierten Wasserleitsysteme teilweise erhalten. In der Siq konnte man die Rinnen deutlich sehen, die das Leben der Nabatäer in der Felsenstadt erst möglich gemacht haben.
Nach einigen hundert Metern sah man dann Khazne al-Firaun, Das 40 m hohe Mausoleum ist das wohl berühmteste Gebäude Petras und definitiv auch eines der spektakulärsten. Wenn man sich direkt davor stellt, werden einem die Dimensionen erst so richtig bewusst und das alles ist komplett aus dem Felsgestein gehauen. Unfassbar!
Wir wurden auf den darauffolgenden Kilometern von monumentalen Bauwerken nur so überhäuft. Auch ein Theater wurde komplett aus Stein gehauen und bot 5.000 - 10.000 Zuschauern Platz. Auch hier gab es ein ausgeklügeltes Abwassersystem, kaum vorstellbar was die Nabatäer vor tausenden Jahren schon geleistet haben.
Auf dem Weg zur sogenannten Königswand, einer Felsformation mit 13 Grabmälern legten wir dann eine Pause ein und tranken einen Granatapfelsaft. Wie der Zufall es so wollte, trafen wir dort ein deutsch-arabisches Ehepaar und der Mann war selbst in den 80er Jahren Guide in Petra und konnte uns ein paar interessante Dinge erzählen. Bis in die 80er Jahre haben noch Menschen in den Ruinen und Höhlen gelebt, erst der damalige König ließ den Leuten Häuser bauen und umsiedeln. Aktuell leben wohl wieder einige Menschen in Petra oder verschaffen sich über inoffizielle Pfade Zutritt. Durch die Pandemie wurde die Lage einiger Menschen sehr schwierig, sodass man jetzt auch viele Kinder an Verkaufsständen sieht, teilweise versuchen wohl ganze Familien mit irgendwelchen Feldbrocken oder anderen Krempel noch ein wenig Geld zu verdienen. Hier wurde uns nochmal richtig bewusst, wie arm Jordanien eigentlich ist. Viele Kinder (vor allem Mädchen) besuchen nicht einmal die Schule, obwohl es gesetzlich eigentlich eine Schulpflicht gibt. Der arabische Mann erzählte uns aber auch, dass das hier wohl viel zu wenig geahndet wird.
Nach dem netten Gespräch widmeten wir uns wieder den prachtvollen Bauten der Nabatäer. Einige der Grabmäler in der Königswand konnte man auch betreten und auch die Grabkammern waren so gigantisch. Der Sandstein hat zudem eine wundervolle rot-weiß-schwarze Maserung, sodass die Grabkammern nicht nur groß, sondern auch ziemlich farbenfroh waren.
Unser letztes Ziel sollte dann noch der Felsentempel Ad Deir sein, der hoch oben in den Bergen liegt. Der Aufstieg war recht lang und zuvor kamen wir noch an einigen, weiteren Bauten vorbei. Der Tempel selbst ist 39m hoch und 50m breit und hat einen unglaublich guten Erhaltungszustand! Dafür hatte sich jede Stufe und jeder Tropfen Schweiß gelohnt, was für ein Anblick. Auch dieses Gebäude war wohl ein Grabmal und wurde erst später von den Christen als Kloster genutzt.
Und dann ging es nach all diesen Eindrücken zurück. Einen Teil des Weges legten wir auf Kamelen zurück, das war ein großer Spaß, eine große Erleichterung und man hatte noch mal eine andere Perspektive auf Petra, denn man sitzt schon ziemlich hoch auf so einem Kamel. :)
Was für ein Tag! Es war wirklich schwer all die Eindrücke in Worte zu fassen, vielleicht ändere ich später auch nochmal die ein oder andere Passage aber eines sei doch noch mal gesagt sein. “Petra ist der herrlichste Ort der Welt” So hat es auch schon Lawrence von Arabien treffend beschrieben.